|
Eltern sind oft misstrauisch, was ihre Kinder im Internet unternehmen.
Der Wunsch nach Kontrolle zeigte sich bisher in Filtern, Blockern oder
Zugangssperren. Zunehmend gibt es aber auch Dienste, die Tätigkeiten in
Social Networks überwachen, berichtet die New York Times. Ab zehn Dollar
pro Monat sammeln sie für die Eltern alle Spuren, die der Nachwuchs im
öffentlich zugänglichen Web hinterlässt, kommentieren sie und bereiten
sie gut lesbar vor. Die Effektivität dieser Vorgangsweise ist jedoch
umstritten.
Alarm bei älteren Facebook-Freunden
Um einen Dienst wie "Safety Web", "SocialShield" oder "MyChild" in
Anspruch zu nehmen, geben die Eltern zunächst E-Mail-Adresse des Kindes
und die Postanschrift der Familie an. Das Programm sucht in
verschiedenen sozialen Netzwerken, wo ihr Kind angemeldet ist und
registriert, was es schreibt und welche Kommentare es von anderen
erhält. Möglich ist das, indem entweder das Kind selbst um die
Verlinkung mit dem Account gebeten wird oder über die Verlinkung der
Eltern-Accounts, falls diese als "Freunde" des Kindes gelistet sind.
Als Ergebnis listen die Dienste ausführliche die Online-Aktivitäten auf
und markieren manche als sicher, andere als potenziell gefährlich. Das
ist bereits dann der Fall, wenn ein Facebook-Freund deutlich älter als
das Kind ist oder wenn Schlüsselbegriffe wie "töten" oder "Selbstmord"
fallen. Die Nachteile: Viele Fehlalarme sind vorprogrammiert, andere
Quellen wie der private E-Mail-Verkehr oder die Kommunikation über Handy
bleiben links liegen und es gibt keinen Schutz vor Online-Gefahren wie
etwa Cyberbulling.
Realität ist komplexer
In Europa sind derartige Dienste noch wenig verbreitet, berichtet
Bernhard Jungwirth, Projektkoordinator bei Saferinternet.at http://www.saferinternet.at.
"Was Eltern eher nutzen, sind Filter, die mit Antivirus-Programmen oder
im Betriebssystem mitgeliefert werden. Diese beinhalten Funktionen wie
Zeitüberwachungen, Schwarz- und Weißlisten oder die Filterung von
Schlüsselwörtern", so der Experte im pressetext-Interview.
Insgesamt hält Jungwirth technische Schutzmaßnahmen für nur bedingt
sinnvoll. "Bei den Jüngsten helfen sie durchaus, vor Popups mit
pornografischem Inhalt oder Folgen eines Vertippens bei der
Internetadresse zu schützen. Jugendliche, die es darauf auslegen, werden
problematische Inhalte aber immer finden. Zudem kann der ältere Mann,
vor dem gewarnt wird, auch der Onkel sein. Die Realität ist viel zu
komplex für die Erfassung durch Software und es gibt keinen
100-prozentigen Schutz." Überwachungsdienste können Eltern zudem auch in
falscher Sicherheit wiegen.
Medienerziehung wichtiger als Schutzsoftware
Dennoch sind derartige Überlegungen der Eltern in den Augen des Experten
ein gutes Zeichen dafür, dass sie sich für die Internet-Gewohnheiten der
Kinder interessieren und sie aktiv begleiten wollen. Dieses Potenzial
sei im Aufbau einer vertraulichen Beziehung mit Einsatz des
Hausverstandes am besten genutzt. "Ziel sollte es sein, das Risiko des
Internets verständlich zu machen und zu vermitteln, welche Spätfolgen
ein unbedachtes Posten haben kann."
Aussender: pressetext.austria
Redakteur: Johannes Pernsteiner
email: pernsteiner @ pressetext . com
Tel. +43-1-81140-316 |