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Die Tabakindustrie lenkt weiter mit hohem Geschick Gesellschaft und
Politik, so sehr auch die negativen Folgen des Rauchens im allgemeinen
Bewusstsein verankert sind. Im "American Journal of Public Health"
zeigen US-Forscher in mehreren Studien, dass der Einfluss weit subtiler
geschieht als von vielen vermutet wird. Für ihre Analyse konnten die
Forscher auf 50 Mio. Dokumente rund um die Rauchergesetzgebung der USA
zurückgreifen, die an der University of California in San Francisco
http://www.ucsf.edu gesammelt werden.
Scheinheilige Raucherprävention
Die erste Studie widmete sich einem weit verbreiteten
Raucherpräventions-Programm für Jugendliche, das von der Tabakindustrie
finanziert wird. Dessen Hauptfunktion sei, das Image der Tabakindustrie
zu verbessern und Regulierungen zurückzudrängen, so die Forscher. Die
Gesetzesgeber sollten vorsichtig sein, ähnliche Selbstregulierungen zu
akzeptieren, da diese kaum wirksam seien und der Industrie selbst zugute
kommen würden, empfehlen sie.
Der Gerlinger Thoraxchirurg Thomas Kyriss, der 2008 die Lobbyarbeit der
Tabakindustrie in Deutschland analysiert hat, bestätigt das gegenüber
pressetext. "Philip Morris etwa präsentiert sich heute als
Jugendschutzorganisation. Propagiert werden jedoch einzig Studien, deren
Wirksamkeit bestritten wird", so der Mediziner. Als einzig effektive
Maßnahmen, um Rauchen bei Jugendlichen zu verhindern, sieht Kyriss das
Abhängen von Zigarettenautomaten, das Werbeverbot oder auch die Erhöhung
der Steuern.
Krieg erzeugt Raucher
Die zweite Untersuchung der US-Forscher analysierte die Situation von
Kriegsveteranen, die während ihres Militärdienstes zu rauchen begannen
und später infolge dieser Gewohnheit schwer behindert wurden.
Anspruchsforderungen auf Behindertenpension verliefen aufgrund
geschickten Zusammenspiels von Regierung, Tabakindustrie und
Veteranenorganisationen stets ergebnislos, konnte gezeigt werden. Grund
ist, dass den Veteranen "gewolltes Fehlverhalten" unterstellt wurde,
obgleich die lange gängige Militärpraxis oft zum Rauchen animiert habe.
Auch in Europa erzeugte der Krieg viele spätere Raucher. Bekannt ist
hier etwa die Zigarettenmarke Reemtsma - 2002 wurde die deutsche
Erfolgsmarke von britischen "Imperial Tobacco" übernommen - die im
Nationalsozialismus ihre Umsätze verzehnfachte. Nach Bestechungen
führender NS-Politikern in Millionenhöhe waren kostenlose Zigaretten,
Vergünstigungen für Soldaten und Werbungen in der Parteizeitschrift
plötzlich kein Gegensatz mehr zum stets propagierten "gesunden
Volkskörper".
David gegen Goliath
Der Tabakindustrie ist es lange gelungen, dass wissenschaftliche
Forschung wie etwa die zum Lungenkrebs seit den 60er-Jahren ohne Folgen
blieb. Tatsächlich zum Problem wurden erst in den 90ern kostspielige
Raucherprozesse in den USA, berichtet Kyriss. "Diese Verluste waren ein
Schlag für die Tabakindustrie und haben ihre Position in den Medien und
in der Politik wesentlich geschwächt." Der heutige Einfluss Internet, im
Lobbyismus und direkt in der Politik über Beziehungen und Parteispenden
sei jedoch weiterhin immens und das Vorgehen des Nichtraucherschutzes
erinnere finanziell noch immer an David und Goliath.
Immerhin gewinnt das Thema Rauchfreiheit heute an Terrain, wobei laut
dem Experten WHO und Krebsforschungszentren einen wichtigen Beitrag
geleistet haben. "Wenigstens weiß heute jedes Kind, dass Rauchen
gefährlich ist, bei Passivrauchen ist man noch nicht soweit." Die
Märkte, auf die sich die Tabakkonzerne stürzen, sind nun vor allem
Indien und China. "Doch auch Europa und die USA sind weiter immens
wichtig, da Marken, Produktion und Vertrieb bestens installiert sind.
Solange es Zigaretten gibt, spielen die Tabakkonzerne also auf Zeit", so
der Mediziner.
Aussender: pressetext.deutschland
Redakteur: Johannes Pernsteiner
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