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Erkranken Eltern an psychischen Leiden, hat das auch für die Kinder
Folgen. Oft bildet sich für sie ein Teufelskreis an psychosozialen
Belastungen und Problemen, der manchmal in der eigenen psychischen
Erkrankung mündet. Derzeit beschäftigt sich die EU eingehend dem Thema.
Das Projekt "Kids Strengths" http://www.strong-kids.eu liefert
betroffenen Kindern und ihren Eltern Unterstützung. Darüber hinaus hilft
es Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten, solche Probleme möglichst
früh zu erkennen und richtig zu reagieren.
Mama trösten und Frühstück richten
Drei bis elf Prozent der Kinder Europas haben einen Elternteil, der
psychisch krank ist. Die Kinder wissen über diese Krankheit oft nicht
wirklich Bescheid, sind verunsichert, verängstigt und in ständigem
Alarmzustand. "Viele versuchen den Eltern zu helfen, glauben sie müssten
sie aufmuntern oder selbst das Frühstück richten. Ältere Geschwister
übernehmen oft Verantwortung für jüngere", so Christine Haselbacher im
pressetext-Interview. Haselbacher ist Projektleiterin am Ilse Arlt
Institut für soziale Inklusionsforschung der Fachhochschule St. Pölten
http://www.fhstp.ac.at, die zu den Projektpartnern zählt.
Grundsätzlich negativ sei diese Rollenübernahme nicht. "Viele dieser
Kinder entwickeln hohes Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Aufgaben zu
bewältigen, die sogenannte Selbstwirksamkeit. Sie suchen etwa bei der
Oma oder bei Freundinnen die Unterstützung, die sie zuhause nicht
erhalten", schildert Haselbacher. Problematisch sei, dass diese Kinder
viel zu früh zu kleinen Erwachsenen werden und lernen müssen, wie das
Leben geht. "Häufig führt das zur Überforderung, die leicht in
Depression münden kann. Auch werden Verhaltensweisen übernommen, was die
Vererbung des Leidens bewirken kann, ähnlich wie es bei Alkoholikern
bekannt ist."
Pädagogen als Problemsensoren
Rechtzeitige Hilfe für betroffene Familien wird oft dadurch erschwert,
dass eine psychische Erkrankung häufig mit Isolierung, Tabuisierung oder
Vertuschung einhergeht. Auch Wohnortwechsel setzt bestehende soziale
Netzwerke, die sonst einiges auffangen können, außer Kraft. Erkennen
können diese Probleme damit am ehesten jene Berufsgruppen, die in engem
Kontakt mit Kindern sind - also etwa Kindergartenpädagogen, Lehrer oder
Jugend- und Sozialarbeiter.
Bemerken könne man seelische Nöte eines Kindes am ehesten im Verhalten.
"Es betrifft oft Kinder, die entweder besonders auffällig oder sehr
zurückgezogen sind. Auch eine plötzliche Verhaltensänderung kann ein
Hinweis sein", so die Expertin für Sozialarbeit. Im Fall des Falles rät
Haselbacher den Pädagogen, Schnellschüsse zu vermeiden, doch die Kinder
genau zu beobachten, sich im Team auszutauschen und für das weitere
Vorgehen vor allem die Eltern und auch das Kind selbst einzubeziehen. Je
nach Verfügbarkeit sollten dann Professionisten wie etwa Psychologen und
Ärzte oder das Jugendamt zu Rate gezogen werden.
Hilfe für die Praxis
Heikel ist es allemal, diese Kommunikation zwischen Kind, Eltern und
Experten in die Wege zu leiten. "Kids Strengths" soll genau hier
Unterstützung liefern. Die involvierten Berufsgruppen finden auf der
Online-Plattform Modelle etwa für Hilfeplan-Besprechungen mit Eltern,
Wissensmodule, eine Sammlung von länderspezifischen Anlaufstellen und
auch Online-Trainings. "Bei Letzteren geht es darum, Kompetenzen und
Methoden zu erwerben. Im Kindergarten ist das zum Beispiel, welche
Bücher man mit Kindern ansehen kann, um ins Gespräch über die Krankheit
zu kommen", erklärt Haselbacher.
Aussender: pressetext.austria
Redakteur: Johannes Pernsteiner
email: pernsteiner @ pressetext . com
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