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Zulieferer des Tabakgiganten Philip Morris sollen Kinder auf
kasachischen Plantagen ausgebeutet haben - ebenso wie zahlreiche
Wanderarbeiter. Selbst Zehnjährige sind laut der
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch http://hrw.org unter den
Opfern.
Den Menschenrechtlern zufolge bezieht der Konzern Rohtabak von
kasachischen Farmbesitzern. Diese beschäftigen Saisonarbeitskräfte und
versorgen das Tochterunternehmen Philip Morris International http://pmi.com
(PMI), eine der größten Tabakfirmen, mit dem Rohstoff für Zigaretten.
Pässe konfisziert und Löhne einbehalten
"PMI ist absolut gegen Kinderarbeit und alle anderen Formen von
Arbeitsmissbrauch", sagt Peter Nixon, Vice President Communications &
Contributions bei PMI, gegenüber pressetext. "Wir arbeiten mit
Lieferanten, der Regierung und Interessengruppen zusammen. Kinderarbeit
in unserer Supply Chain wirken wir entgegen." Die vom Report
aufgeworfenen Probleme sind laut PMI "ernst". Zudem ist man der
Menschenrechtsorganisation für das Aufzeigen der Missstände "dankbar".
Der 115 Seiten starke Bericht "Hellish Work: Exploitation of Migrant
Tobacco Workers in Kazakhstan" verdeutlicht eklatante Missstände bei den
Tabaklieferanten. Einige Arbeitgeber sollen die Pässe der Wanderarbeiter
konfisziert und schriftliche Arbeitsverträge vorenthalten haben.
Betroffenen zufolge wurden Löhne nicht oder nur unregelmäßig ausbezahlt.
Außerdem waren Arbeitszeiten unverhältnismäßig lang.
Human Rights Watch findet für die Zustände deutliche Worte. "Viele
dieser Wanderarbeiter kamen nach Kasachstan und wurden zu Leibeigenen
gemacht, Kinder wie Erwachsene", sagt Jane Buchanan, Researcherin in der
Europa- Zentralasienabteilung von Human Rights Watch. Aber nicht nur
Philip Morris und seinen Handelspartnern werden Versäumnisse
vorgeworfen. Auch richtet sich die Kritik an die kasachische Regierung.
Kontrollen in den Firmen wurden verabsäumt, arbeitsrechtliche Verstöße
nicht zeitnah ermittelt und strafrechtlich geahndet.
Philip Morris will mit Behörden zusammenarbeiten
"Wir haben die vertraglichen Verpflichtungen für Farmer verstärkt.
Außerdem implementiert PMI ein System, das Monitoring ermöglicht und die
Einhaltung von Standards sicherstellt", so Nixon auf
pressetext-Nachfrage. Zuzüglich will PMI lokale Behörden einbeziehen und
den Schul- und Bildungszugang von Kindern verbessern. "Niemand soll
unter ungesetzlichen und unsicheren Bedingungen arbeiten", beteuert das
Unternehmen.
Der eindringliche Appell an Philip Morris International, unverzüglich
eine Verbesserung bei sämtlichen Tochterfirmen und Zulieferern
sicherzustellen, kommt nicht von ungefähr: Insider gehen davon aus, dass
jährlich zwischen 300.000 und einer Mio. Wanderarbeiter vornehmlich aus
den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ohne Visum nach Kasachstan
illegal einreisen. Die Zahlen sprechen für sich: 2009 dokumentierte die
NGO 72 Fälle von Kinderarbeit auf den Tabakplantagen, die im Umgang mit
Rohtabak und Pestiziden hohen Risiken ausgesetzt sind.
Philip Morris International will vertraglich gebundene Arbeitgeber
zukünftig dazu auffordern, schriftliche Arbeitsverträge auszuhändigen,
Löhne regelmäßig zu bezahlen und Pässe nicht zu konfiszieren. Zudem hat
das Management zugesichert, Schulungen für Mitarbeiter von Philip Morris
Kasachstan in puncto Kinderarbeit, Zwangsarbeit und arbeitsrechtlichen
Verstößen zu forcieren. Hinzu kommt die verstärkte Zusammenarbeit mit
der kasachischen Regierung. Auf diesem Weg sollen Kindern in den
Sommermonaten Bildungsprogramme zugute kommen.
Aussender: pressetext.austria
Redakteur: Florian Fügemann
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